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Text Linie

Linie

Die Auseinandersetzung mit der Linie zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk von Cornelia Rohde. Sie ist autonomes Thema ihrer Malerei, gleichberechtigtes Sujet neben Landschaften und figurativen Werken. Ihre Arbeiten erforschen das Spektrum der Linie in unterschiedlicher Dichte und Intensität und inszenieren unterschiedlichste Anmutungen. Stets vereinnahmen die Linien die gesamte Bildfläche, nehmen diese wie selbstverständlich ein. Ihre Kraft macht nicht an den Rändern des Bildträgers halt, sondern scheint über diesen hinaus zu wirken. 

Manche Linien-Arbeiten leben ganz von der Konzentration auf einige wenige, dezidiert gesetzte Linien, die sich tastend und suchend über die gesamte Erstreckung des Bildraums fortentwickeln. Sie muten wie Nervenbahnen an, die ihren Verlauf in eine fest geformte Umgebung eingraben. Mitunter nähern sie sich vorsichtig an, verdichten sich locker, lassen dabei aber stets einen Zwischen-Raum. Partiell gebündelt, behält die einzelne Linie ihre Prägnanz, ohne dabei akribisch vermessen zu wirken.

Neben denen in ihrer Reduktion prägnant formulierten Werken gibt es solche, in denen die Linie als formelhaftes Element in unendlicher Wiederholung auftritt. Der Charakter der einzelnen Linie tritt zugunsten ihrer Verdichtung zurück, die mitunter an organisch wimmelnde Lebensformen erinnert. Diese Arbeiten sind von einer kraftvollen Energie getragen, die gleichwohl geheimnisvoll bleibt. 

In ihrer Dichte bildet die Linie in manchen Werken ein regelrechtes Liniennetz von fest verwobener Struktur und für das Auge des Betrachters undurchdringlich. Eine Orientierung auf der Bildfläche ist hier nicht mehr möglich. Der Blick verliert sich im Dickicht der Strukturen, deren Führung die Fläche in Vibration oder Schwingung versetzt.

Andere Arbeiten überzieht ein Netz Nadel-gleicher Spitzen, die sich gegen die Außenwelt zur Wehr setzen. Weniger abweisend fällt dagegen der Bildcharakter aus, wenn in weichen, breiten Pinselstrichen aufgetragene Linien eine Oberflächenstruktur erzeugen, auf der sich eine wehende, fließende Energie abzeichnet. Hier wird der Blick des Betrachters nicht abgewehrt, er kann auf den Arbeiten ruhen, darüber schweifen.

Daneben gibt es immer wieder Werke, in denen die Linie in ihrer filigranen Feinheit akzentuiert wird. Wie ein dünnes Gespinst überziehen sie dabei die Oberfläche, ergeben zart verästelte, feine Strukturen, die rhythmische Impulse übermitteln, von ekstatischer Impulsivität getrieben. 

Getragen wird dieser Charakter auch von der Farbe, die in dieser Werkserie dezent verbleibt. Sie hinterfängt atmosphärisch, was in konzentrierter Form in der Linienstruktur angelegt ist. Viele Arbeiten verbleiben in schlichtem Schwarz-Weiß. Je lebhafter jedoch die Linienstrukturen ausfallen, desto bedeutsamer wird die Rolle der Farbe im Bild. Diese erzeugt mitunter ein inneres Leuchten, eine geheimnisvolle Lichthaftigkeit. Dabei bleibt stets die Linienstruktur das bestimmende Element, mal tastend und suchend, mal voller Leichtigkeit.

In den Linien-Arbeiten von Cornelia Rohde werden die Koordinaten des Lebens spürbar, seine Gegensätze und sein Reichtum. Das Geordnete existiert neben dem chaotisch Unübersichtlichen, die Über-Fülle neben der Reduktion, die Ruhe neben der Bewegtheit, die Abwehr neben der Öffnung, das Konforme neben dem Individuellen. Diese Vielfalt des Lebens, diesen Facettenreichtum inszeniert Cornelia Rohde sowohl im Groß- als auch im Kleinformat, in einer Vielfalt von Techniken.
(Text-Auszug von Dr. Sabine Weicherding 2015)

Die Linie

Alles ist in Bewegung und befindet sich in einem fortwährenden Prozess. Werden, Wachsen, Veränderung und Vergehen. Vergangenheit und Zukunft, dazwischen die Gegenwart, das Jetzt, der Moment.
Die Linie ist eine Bewegungsspur. In meinen Arbeiten erkunde ich die Linie in ihrer unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeit. Je nach Gestaltung, auf- oder absteigend, schlängelnd, gleichmäßig, modulierend, horizontal, vertikal, dick oder dünn, hart oder weich, erzielt die Linie eine andere Wirkung auf uns. Die Komposition des Bildgefüges ergibt sich aus dem Charakter der Linie und der Linienverteilung. Linien werden im Bildraum verdichtet und gestapelt, treffen sich oder treiben auseinander. Manche Linien erinnern an Organisches. Durch Überlagerung der Linien entstehen Räume. Einige Bilder sind von einem Liniengespinst, einem Netz von Linien bedeckt. Je nach Charakter der Linie, verleiht sie dem Bild Rhythmus, Struktur, Chaos oder Ordnung.
Cornelia Rohde