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Text Landschaft

Auszug aus der Rede von Frau Dr. Weicherding anlässlich meiner Einzelausstellung vom 20.03. bis 13.04. 2014 in der Galerie KW28E – Landschaft -

Wer den Landschaften von Cornelia Rohde zum ersten Mal begegnet, der wird erstaunt sein über die Stille, die diese in unserer hektischen, reiz-überfluteten Gegenwart zum Ausdruck bringen. Es sind ausgewogen komponierte Gemälde, die den Blick des Betrachters in sich hineinziehen. Durch ihre formal reduzierte Gestaltung wird der Betrachter Teil der Szenerie, kann er sich doch in seinen eigenen Grundkoordinaten im Bild wiederfinden.
Cornelia Rohde zeigt die Welt in ihrem Grundgerüst, zweigeteilt in ein deutliches Oben und Unten, in Himmel und Erde. Und natürlich mit deren Berührungspunkt, dem Horizont. Dieser, sehr tief angesetzte, Grenzverlauf zwischen Himmel und Erde, verleiht dem Blick seine Richtung, gewährt Orientierung. Das Auge des Betrachters wandert an der Horizontlinie entlang, die in manchen Bildern durch die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche zusätzlich akzentuiert wird. Der Horizont lässt atmen, gewährt Weitblick und Orientierung in einem.
Diese von einem hohen, wolkenverhangenen Himmel überspannten Gemälde erinnern ein bisschen an die Weltlandschaften der alten Niederländer, für die die Welt eine Bühne war.

Doch anders als die Niederländer inszeniert Cornelia Rohde keinen moralischen Sündenfall, die Landschaft ist keine Kulisse zum Zwecke der Belehrung des Menschen – überhaupt sucht man Figuren in Cornelia Rohdes Landschaften vergebens.

Ihren Landschaften haftet etwas Verwunschenes an, sie sind von der Menschenhand unberührt geblieben.
An keiner Stelle stolpert der Betrachter über figürlich-erzählerische Details unserer Lebenswirklichkeit.
Handlungs- und Stimmungsträger ist vielmehr die unberührte Natur selbst, und so finden der Betrachter und wohl auch die Künstlerin in diesen Bildern Ruhe und Stille, zwei in unserer überfrachteten, schnelllebigen Zeit selten gewordene Eindrücke. Das bestimmende Element ist das Licht.
Mit Licht und Schatten führt die Künstlerin Regie in ihren Bildern.
Aus diesem Kosmos des Hell und Dunkel schöpfen die Werke ihre Lebendigkeit und Dynamik. Licht ist verheißungsvoll, Schatten geheimnisvoll.

Und stets folgt auf die Dunkelheit das Licht eines neuen Tages.
Hell und Dunkel sind zwei natürliche Pole, die Ausgewogenheit symbolisieren.
Und ihrerseits eine Weisheit beinhalten.
Wo Licht ist, ist auch Schatten - und nur wo Schatten ist, kann das Licht umso erhabener in Erscheinung treten.
Ein Ende ist immer auch ein Anfang, so ließe sich ein weiteres bestimmendes Element der Bilder Rohdes formulieren.
Der Horizont markiert das Ende unserer sichtbaren Welt, suggeriert aber auch die Fortsetzung des Raums jenseits unseres Sichtfeldes.
Die Welt ist nicht nur das, was wir sehen können, sie hat immer auch eine Dimension, die verborgen bleibt.
Da wird der Vordergrund plötzlich vordergründig, und das Unsichtbare essentiell.

Dadurch erhalten die Bilder von Cornelia Rohde ihre Zeit-Losigkeit, ihre Allgemeingültigkeit.

Sie befragt und hinterfragt das, was sich auf der Leinwand entwickelt hat. Vielleicht resultiert aus dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk die Subtilität der Bildsprache, die Cornelia Rohdes Kunst prägt.
Die Künstlerin versteht es, in ihren Landschaften Atmosphäre zu erzeugen, Stimmungen aufzubauen, Ahnungen aufleben zu lassen. Ihre Bildwelten zeigen keine Idyllen – zu düster sind die Qualitäten ihrer Farbpalette und zu grob mitunter der Pinselduktus. Sie erzeugen eine unheimliche Note, aus dem Zwielicht heraus kündigen sich Dinge an von gewaltiger Dimension. Wie ein Sinnbild erscheint da eines der Werke, auf dem sich am düsteren Firmament ein Sturm zusammenzubrauen scheint.
Es zeigt: die Natur ist von elementarer Bedeutung, der Mensch wäre darin wohl nur Staffage.
Daneben gibt es gleichwohl Bilder in sanfteren Klängen, einem sanften, dunstigen Sfumato italienischer Kunst nicht unähnlich, hier kann der Geist schweifen, zur Ruhe kommen. So fügen sich in den Gemälden von Cornelia Rohde Licht und Schatten zu einem Universum der Ausgewogenheit, nicht aber der Leichtigkeit, zusammen.

Dr. Sabine Weicherding
Dortmund, im März 2014

Landschaft – oder der Prozess der Aufmerksamkeit

Eigene Streifzüge durch die Natur und die Summe dieser Eindrücke sind eine wichtige Inspirationsquelle meiner Malerei.
Es geht nicht um die Identifizierbarkeit etwa eines bestimmten Ortes, sondern um die Auseinandersetzung mit aus Landschaften entlehnten Formen, die im künstlerischen Prozess neu entstehen. Der subjektiv verinnerlichte Blick auf die Landschaft wird zum Bildgegenstand. So entstehen Bilder mit großer Tiefe und einer Atmosphäre, die dem Betrachter genügend Raum lässt.

Cornelia Rohde